Eigentlich müsste es sich selbst bis in die letzte Ecke des Landes herumgesprochen haben, dass die gesetzliche Rente wohl im Alter nicht ausreichen wird, um ein vernünftiges Leben zu führen. Die meisten Deutschen haben ja erkannt, dass sie privat mehr für die Altersvorsorge tun müssen. Trotzdem sparen sie nicht – zumindest nicht für’s Alter, sondern lieber für einen neuen Flachbild-Fernseher oder den nächsten Urlaub im Süden.
Umfragen zufolge ist sich jeder Zweite in Deutschland der Ernsthaftigkeit der Situation bewusst und hat sich auch vorgenommen tatsächlich etwas für das Alter zurückzulegen. Weniger als 30 Prozent haben einen konkreten Plan und noch weniger setzen ihr Vorhaben am Ende in die Tat um. Am ehesten halten noch diejenigen ihr Geld zusammen, die sowieso schon genug zum leben haben – nämlich die Reichen.
Gründe für den Altersvorsorge-Frust
Diejenigen, die nichts für die Rentenabsicherung tun, haben entweder bereits schlechte Erfahrungen gemacht, sind einfach zu bequem oder fühlen sich damit schlichtweg überfordert. Die Politik trägt ihren Teil bei, indem sie alle paar Monate die Gesetzeslage ändert. Vor einiger Zeit noch wurde die Kapitallebensversicherung bereits totgeschrien, als man die Gewinne daraus der Besteuerung unterwarf. Die Anleger reagierten darauf und wandten sich anderen Sparformen zu. Seit Beginn diesen Jahres wurde nun die Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge eingeführt und plötzlich erwacht die Kapitallebensversicherung wieder zu neuer Stärke, denn ihre Erträge unterliegen nicht der neuen Steuer, ganz im Gegensatz zu Zinsen aus Bank- oder Fondssparplänen. Ebenso nicht gerade von besonderer Einfachheit und Klarheit geprägt sind die staatlich geförderten Vorsorge-Varianten Riester-Rente und Rürup-Rente. Hier wurde mehrfach nachgebessert, beispielsweise wird seit diesem Jahr zusätzlich zu den bestehenden Formen der Erwerb von Wohneigentum riestergefördert. Dies alles hat dazu geführt, dass es auf dem Markt unzählige Produkte und Anbieter gibt, die es dem einfachen Sparer nicht gerade leicht machen. Fairerweise muss man feststellen, dass zumindest die Riester-Rente eine gute Möglichkeit ist mit staatlicher Hilfe etwas für die eigene Rente zu tun. Allerdings denken die meisten, dass es damit dann auch getan sei. In der Realität deckt ein solcher Riester-Vertrag noch nicht einmal einen Bruchteil der sogenannten Versorgungslücke im Alter ab.
Die am häufigsten genannten Gründe, weshalb die Deutschen nicht bzw. zu wenig in die Altersvorsorge investieren:
- weil sie (angeblich) zu wenig Geld haben
- weil die Gesetzeslage nicht sicher ist
- weil sie den Anbietern der Vorsorgeprodukte nicht vertrauen
- weil sie sich mit der Altersvorsorge nicht auskennen
- weil es ihnen auch ohne etwas zu sparen noch gut genug geht
Was kann und sollte man gegen Altersvorsorge-Unlust tun?
- Einfach mit der Altersvorsorge anfangen. Welches Produkt oder Anlageform man dazu wählt, ist in der Tat zweitrangig. Zum Einstieg empfiehlt sich beispielsweise ein Banksparplan oder die regelmäßig Anlage von Geld in einem Indexfonds. Später kann man dann zusammen mit einem Fachmann immer noch korrigieren, andere Produkte hinzunnehmen und die Strategie den eigenen Bedürfnissen anpassen.
- Sich Unterstützung besorgen. Wer Finanzen überhaupt nicht mag und wem diese ganze Vorsorge zu viel wird, sollte sich bei einem unabhängigen Finanzexperten beraten lassen, bevor er aus Frust überhaupt nichts unternimmt. Selbst das Gespräch mit Bekannten und Verwandten kann diesbezüglich weiterhelfen.
- Nicht wahllos Verträge abschließen. Mit einer Riester-Rente und einer Kapitallebensversicherung ist es nicht getan. Zur Altersvorsorge gehört mehr als ein starrer Versicherungsvertrag. Jeder Mensch ist anders, hat andere Vorstellungen und Bedürfnisse und benötigt dementsprechend eine eigene individuell zugeschnittene Vorsorgestrategie. Flexibilität heißt das große Zauberwort in diesem Zusammenhang.
- Regelmäßig sparen. Mit einem Mal ist es leider nicht getan. Wichtig ist das regelmäßige Zurücklegen eines bestimmten Geldbetrages, am besten jeden Monat und am besten ohne das man sich darum kümmern muss, z.B. mit einem Sparplan oder einem langfristigen Vorsorgevertrag.
- Sich zum Sparen zwingen. Vielen Menschen fällt es schwer zu sparen – zu verlockend sind die Alternativen. Wer zu dieser Spezies gehört, muss sich etwas einfallen lassen, da er sonst womöglich niemals etwas zurücklegen wird. Man könnte sich beispielsweise von vornherein vornehmen, das Kindergeld oder die nächste Gehaltserhöhung beiseite zu legen
- Die Altersvorsorge ist unantastbar. Wenn kein Geld für das neue Auto da ist, dann kann eben keins gekauft werden, das angesparte für die Altersvorsorge angesparte Vermögen ist und bleibt in jedem Fall tabu.
Wenn Sie den Artikel bis hierhin gelesen haben und immer noch nicht den Entschluss gefasst haben mit dem Sparen zu beginnen, dann sind sie entweder besonders wohlhabend, scheren sich nicht viel um ihre persönliche Zukunft oder gehören tatsächlich zu den wenigen, die bereits ausreichend für das Alter vorgesorgt haben (oder dies zumindest denken).

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