Lange Zeit ging es im Bankgeschäft vor allem um maximale Renditen und die ganz großen Geschäfte. Durch die Finanzkrise ist einiges anders geworden. Das Wort Investmentbanking traut sich kaum noch jemand in den Mund zu nehmen und an riesige Renditen mag niemand so recht glauben. Plötzlich interessiert man sich gemeinhin wieder für ganz normale Bankprodukte wie Tagesgeld oder das gute alte Sparbuch. Zwar werden Kreditinstitute weiterhin große Unternehmen bei Firmenübernahmen oder Börsengängen begleiten und Großkredite vergeben. Allerdings können Kredite nur vergeben werden, wenn genügend Geld da ist. Genau an diesem Punkt hapert es zur Zeit. Der Absturz an den Börsen hat die flüssigen Reserven in den Kassen auf ein Minimum zusammengeschrumpft. So ist es kein Wunder, dass sich viele Banken wieder um stinknormale Spareinlagen bemühen, die sehr häufig von kleinen privaten Kunden kommen. Genau diejenigen also, die in der Vergangenheit ein Schattendasein neben den Großkunden und Besserverdienenden geführt haben.
Selbst beim kleinen Mann hat in den letzten Monaten ein Umdenken stattgefunden. Die meisten Sparer haben auf die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise reagiert. Kaum einer hat noch Aktien oder Zertifikate im Depot. Die meisten setzen auf sichere Bundesanleihen oder gut verzinste Tagesgeldkonten. Viele trauen sich noch nicht irgendeine Kapitalanlage zu tätigen und belassen ihr Geld erst einmal auf dem Girokonto. Für die Banken ist das ganz gut, denn Einlagen wie Tagesgeld bessern die Eigenkapitalbilanz auf und die ist für die Kreditvergabe wichtig. Kein Wunder also, dass die Banken die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld so weit es geht heraufgesetzt haben, denn jeder neue Kunde zählt für sie. Für den kleinen Mann zählt dagegen vor allem, dass sein Geld sicher angelegt ist. Erst in zweiter Linie kommt dann die Verzinsung.
Die Banken wollen sich zukünftig wieder mehr um Privatkunden und ihr Geld bemühen. Zwar sollen weiterhin unrentable Filialen geschlossen werden und verstärkt auf das Onlinegeschäft gesetzt werden. Bereits jetzt ist eine deutsche Bankfiliale für etwa 2.000 Kunden zuständig. Trotzdem soll die Beratung besser werden und sich mehr an den Kundenbedürfnissen orientieren. Man wills sich nur noch auf wenige Produkte aus den Bereichen Altersvorsorge, Baufinanzierung und Kreditgeschäft konzentrieren, anstatt den Bankkunden mit ständig neuen Innovationen zu überfordern. Ob das tatsächlich in Zukunft so eintreten wird, bleibt abzuwraten. Wenn sich die Mehrzahl der Banken nur noch auf wenige Bereiche konzentriert, wird wohl auch der Konkurrenzkampf härter zunehmen und die Qualität der Beratung bei den Banken möglicherweise noch schlechter werden, als sie ohnehin schon ist.
Derweil haben die großen Geschäftsbanken noch ein anderes Problem. Die meisten Privatkunden sind bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken und fühlen sich dort pudelwohl. Das Wertpapiergeschäft wird mehr und mehr über Onlinebanken bzw. Discount-Broker abgewickelt. Woher sollen also die Kunden mit dem frischen Geld kommen? Das weiss eigentlich keiner so recht. Aber kein Grund, nicht weiter um die Ersparnisse des kleinen Mannes zu mit aufwendigen Werbeaktionen zu buhlen. Eine neue Welle kostenloser Girokontoangebote sowie hohe Tagesgeldzinsen dürften da erst der Anfang sein.
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