Seit letztem Jahr schauen die Anleger wieder genauer hin, welche Anlegen sie eigentlich in ihren Depots haben. Dass Zertifikate nicht ganz risikolose Anlageformen sind, mussten einige von ihnen in Form von großen Verlusten schmerzlich erfahren. Selbst für ganz normale Aktienanleger war das vergangene Jahr mit durchschnittlich 30% Verlust kein besonders gutes. Was heißt das nun für die Zukunft? Sollte der Privatanleger komplett die Finger von Finanzprodukten lassen, die er nicht hundertprozentig versteht? Wohl kaum, denn dann würden beinahe alle Menschen ihr Geld als Tagesgeld anlegen oder auf dem guten alten Sparbuch belassen.
Das kann langfristig jedoch sicherlich nicht die beste Lösung sein. Viele Menschen kaufen sich ja Produkte, bei denen der Durchschnittsbürger nicht genau weiß, wie sie funktionieren und daher auch nicht beurteilen kann, ob das eigene Produkt nun besonders gut oder schlecht ist, wie eine Stereoanlage zum Beispiel. Wichtig sind nur einige wenige Kennzahlen, wie die Leistung, die Dämpfung oder der Frequenzbereich. Ähnlich ist das auch bei Finanzanlagen. Der Laie muss nicht unbedingt verstehen, wie der einzelne Fonds konstruiert wird oder wie die Zinsstrukturkurve aussieht. Für eine gute Anlageentscheidung muss der Sparer eigentlich nur wissen, wieviel Geld er am Ende im schlechtesten Fall und im besten Fall aus seiner Kapitalanlage herausbekommt. Natürlich kann zuviel Information nie schaden, aber wen ein paar Grundregeln beachtet werden, kann nicht mehr viel schiefgehen.
Was sollte man als Sparer zukünftig beachten?
- Nicht nur Tagesgeld bringt Sicherheit ins Depot: Neben der Anlage in Tagesgeld oder anderen festverzinslichen Sparformen gibt es noch weitere Möglichkeiten, um mehr Sicherheit für das eigene Vermögen zu erhalten. Die Aufteilung des Geldes auf verschiedene Anlageformen (Streuung) senkt beispielsweise ebenso das Risiko von Verlusten. Genau wie die Fähigkeit warten zu können, also nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt auf das Geld angewiesen zu sein, denn dadurch können bei stark schwankenden Finanzanlagen Verlustsituationen ausgehalten und Chancen besser genutzt werden.
- Nicht alles, was Finanzberater sagen, ist falsch: Zum Beispiel hat das magische Dreieck (Sicherheit, Rendite, Liquidität) für Finanzanlagen durchaus seine Bedeutung. Man kann nicht alles haben. Das wird jeder schnell einsehen, der für die Altersvorsorge nur mit Bundesschatzbriefen ein Vermögen ansparen möchte, denn die sind zwar sicher, bringen aber auf lange Frist sicherlich keine so hohe Rendite, wie sie mit anderen Finanzprodukten möglich wäre.
- Nicht alles, was Finanzberater sagen, ist richtig: Finanzberater möchten in erster Linie ihre Produkte verkaufen bzw. die der Bank oder der Fondgesellschaft für die sie arbeiten, denn davon leben sie. Deswegen muss angepriesene Produkt zwar nicht das schlechteste sein, aber für den Kunden auch nicht zwingend das beste. Wirklich unabhängige Berater zu finden ist schwierig und kostet in der Regel Geld. Um abzuschätzen, wie unabhängig der eigene Bank- oder Finanzberater tatsächlich ist, kann man nach den Provisionen fragen, die am jeweiligen Produkt verdient werden.
- Nicht alles beimischen: Obwohl durch Streuung über verschiedene Anlageformen das Gesamtrisiko gesenkt werden kann, ist viel nicht immer gleich risikolos. Es kommt auf die richtige Anzahl und die richtige Mischung der Finanzanlagen an. Alles was als Beimischung angeboten wird, sollte daher tatsächlich nur in geringem Maße dem Portfolio beigemischt werden, da es sich dabei oft um riskante Anlageformen handelt. Allerdings lässt sind zu einer wirklich spürbaren Risikosenkung insgesamt mehr als nur 3 oder 4 verschiedene Titel notwendig.
- Nicht nur einfach sparen: Eine der ersten Fragen eines guten Finanzberaters ist die nach dem Wofür. Und das nicht ohne Grund. Jeder Anleger sollte nicht einfach nur sein Geld irgendwie anlegen, sondern sich zu aller erst fragen, wofür er es später einmal benötigt (wie z.B. für die Absicherung im Alter oder den Urlaub im nächsten Jahr). Ist das wofür entschieden, können weitere Details wie die Wahl der Anlageform, Sicherheits- oder steuerliche Fragestellungen entschieden werden.
- Nicht nur auf die Steuern achten: Zwar hat die Abgeltungssteuer viele Sparer wachgerüttelt und für das Thema ‘Steuern’ sensibilisiert. Trotzdem sollte man den Steueraspekt erst als einen der letzten betrachten und eine Entscheidung für oder gegen eine Anlagevariante nicht nur an Hand irgendwelcher Steuervergünstigungen treffen. Denn die sind nur bei den wenigsten von uns so gravierend, dass sich ein Wechsel der Anlageform nur auf Grund steuerlicher Erwägungen lohnen würde.
- Nicht nur reden: Ein ausführliches Beratungsgespräch ist schön und gut. Besser ist jedoch ein unterschriebenes Protokoll der Beratung, denn dieses ist später bei Streitigkeiten um falsche Empfehlung eines Finanzproduktes oder anderen Beratungsfehlern vor Gericht bei der Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen eine große Hilfe.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass viele der in der Vergangenheit verdammten Finanzprodukte auch zukünftig ihre Berechtigung haben. Viel wichtiger als sich Gedanken um einzelne Finanzanlagen zu machen, ist ein tatsächlich unabhängiger und fachkundiger Anlageberater, der den Kunden tatsächlich berät und nicht nur Prdoukte “verkauft”.
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