Folgen der Verstaatlichung von Banken für Kunden und Anleger

Nun ist es amtlich: Die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sich zu 25 Prozent an der Commerzbank. Ob zweckmäßig oder nicht – die Experten haben da ja durchaus geteilte Meinungen – Fakt ist: Dieser Tage kommt es immer wieder vor, dass der Staat mit seinem Geld als letzte Rettung bei angeschlagenen Kreditinstituten einspringen muss. Welche Folgen hat ein solcher Einstieg der öffentlichen Hand? Was ändert sich für die Kunden der Bank oder für Kapitalanleger? Diesen Fragen sind Finanzexperten nachgegangen. Die Antworten sollen nachfolgend kurz erläutert werden.

Um die Folgen abschätzen zu können ist es zunächst wichtig sich klarzumachen, welchen Einfluß die öffentliche Hand im Unternehmen haben wird. Handelt es sich nur um eine geringe Beteiligung wie im Falle der Deutschen Bank, wo die Deutsche Post und damit zu einem geringen Teil auch der Bund eingestiegen ist, wird sich kaum etwas gravierendes ändern. Anders ist das im Fall der Commerzbank. Durch den relativ hohen Anteil von 25 Prozent kann es schon zu Verschiebungen in der Aktionärsstruktur kommen. Da die Hauptversammlung oft nur spärlich besucht wird (Beteiligung meist unter 40 Prozent) könnte es sogar passieren, dass der Staat eine Mehrheit besitzt. Unabhängig davon kann der Bund jederzeit aus ploitischen Erwägungen heraus Entscheidungen platzen lassen, da er ein Veto-Recht (Sperrminorität) besitzt. Die Regierung hat zwar verlauten lassen, dass sie sich aus dem operativen Geschäft heraushalten möchte. Sicher ist das vor dem Hintergrund anstehender Wahlen und parteipolitschem Geplänkel jedoch noch lange nicht. Ein dritter Aspekt der nicht vernachlässigt werden darf: Der Einstieg des Staates stellt im Prinzip eine Kapitalerhöhung dar. Das bedeutet es werden neue Anteile ausgegeben und der Gewinn unter mehr Anteilseignern aufgeteilt (Verwässerungseffekt), egal ob dies den Aktionären schmeckt oder nicht. All das dürfte zwar ordentlich Geld in die Kassen der Commerzbank spülen, dem Aktienkurs bzw. dem Wert des Unternehmens aber erstmal nur kurzfristig guttun, wenn überhaupt.

Für Bankkunden oder Inhaber eines Sparbriefes der Commerzbank wird sich überhaupt nichts ändern. Ihr Geld war und ist sicher, da die Bank dem gesetzlichen Einlagensicherungssystem unterliegt und Mitglied im freiwilligen Einlagensicherungsfonds ist. Wer eine Anleihe oder Aktie der Commerzbank besitzt, für den lässt sich das nicht so pauschal behaupten. Normalerweise wird der Einstieg des Staates bei einem Unternehmen zumindest in puncto Bonität, die ja vor allem für Anleihen ausschlaggebend ist, recht positiv gesehen. Es wird normalerweise davon asugegangen, dass Zahlungsverpflichtungen dadurch noch eher eingehalten werden können, als vorher. Hundertprozentig sicher ist das in diesen unruhigen Zeiten allerdings nicht.

Aktionäre haben es sowieso nicht leicht derzeit – besonders dann, wenn sie Bankaktien besitzen. Ob und wann es wieder bergauf geht, ist nicht abzusehen. Für private Anleger wird daher von einem Neueinstieg in Bankaktien abgeraten. Wer bereits Aktien der Commerzbank oder anderer Kreditinstitute besitzt, muss sich selbst hinterfragen, ob er die Verluste aussitzen möchte oder ob nun der Zeitpunkt gekommen ist, um einen Schlußstrich zu ziehen und Verluste zu realisieren. Das hängt stark von der persönlichen Risikobereitschaft und finanziellen Leidensfähigkeit ab. Der Einstieg des Staates in diesem Zusammenhang kann zumindest moralisch unterstützden wirken und muss erstmal kein Nachteil sein. Die große Wende wird dadurch allerdings sicherlich auch nicht möglich.

Grundsätzlich wird mit einem Einstieg des Staates bei einer Bank die Hoffnung verbunden, das Finanzssystem zu stützen indem eine mögliche Insolvenz abgewendet wird, aber auch die Kreditvergabe an die Wirtschaft zu fördern. In den USA und Großbritannien wo vor einiger Zeit ähnliche Maßnahmen ergriffen wurden, konnte allerdings noch nicht festgesetllt werden, dass mehr Kredite vergeben wurden, seitdem die öffentliche Hand mitmischt. Einige Experten gehen sogar soweit zu sagen, dass der Einstieg bei der Commerzbank absolut überflüssig und unverantwortlich sei. Im Prinzip werde hier nur die Übernahme der Dresdner Bank mitfinanziert und überhaupt erst möglich gemacht. Anzeichen für eine Insolvenz oder Schieflage gab es bei beiden Instituten nicht. Und nun trägt im Prinzip der Steuerzahler die Risiken dieser Firmenübernahme. Durch diese “der Staat springt immer ein Mentalität” wird den Bankmanagern signalisiert, dass alles gar nicht so schlimm sei und er wird auch in Zukunft wieder Risiken eingehen, die er selbst bzw. seine Bank eigentlich nicht schultern kann. Es ist müßig darüber zu diskutieren, wie sinnvoll der Einstieg der öffentlichen Hand bei Banken ist, denn daran orientiert sich das politische Handeln nur selten, wie die ergriffenen Maßnahmen seit dem Beginn der Finanzkrise zeigen. Warten wir einfach ab, wie sich die Commerzbank und der gesamte Bankensektor in den nächsten Monaten und Jahren entwickelt.

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